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VfL Osnabrück – SC Freiburg
10.08.2007

Endlich 2. Bundesliga. Da geht man jahrelang zum heimischen Fußballklub, um ihn endlich mal wieder in der zweiten Liga zu sehen und dann kommt gleich am ersten Spieltag der SC Finke. Pardon, Freiburg. Volker Finke trainiert die Breisgauer ja seit dieser Saison nicht mehr, was in meinen Augen ein Irrtum ist, aber nichts daran ändert, dass ich bei Freiburg immer den Trainer mit dem Stirnband und dem sympathischen Gesicht vor Augen habe.
Diese Zweitligasaison wird ja für den Fan etwas ganz besonderes. Hier kann man dieses Jahr Mannschaften sehen, die eigentlich Bundesliga-Format haben. Ok, es gibt auch noch welche mit Regionalliga-Format. Ich hoffe einfach, dass der VfL sich die nötigen Punkte irgendwie holt. Die Vorbereitung war ja schon ganz ordentlich (zuletzt besiegte man eine tschechische Erstligamannschaft deutlich mit 4:1) und macht erstmal Hoffnung auf einen Verbleib in der Liga. Realistisch kann wohl von einem Abstiegskampf ausgegangen werden. Und für alle Phrasensucher noch der Satz: Wer in dieser Saison die wenigsten Fehler macht steigt nicht ab.
Und noch etwas ist jetzt anders. Die Freitagsspiele beginnen bereits um 18 Uhr. Und da das erste Spiel immer besonders viele Menschen aus dem Haus lockt, habe ich mir meine Karte schon vor zwei Wochen besorgt.

Angekommen
Als ich um viertel nach fünf ins Stadion komme, kann das Spiel eigentlich schon los gehen. Es sind bereits alle Besucher da (ok, die Sitzplatztribüne wird ja erst kurz vor Anpfiff belegt). Um mich herum alle Nörgler der letzten Saison. Das kann ja was werden. Die Euphorie im Stadion ist allerdings überwältigend. Wo man auch hinhört, die Tipps sehen alle Osnabrück als Sieger. Nur ich mit meinem 1:1 passe da nicht rein.
Der Stadionsprecher von Freiburg ist auch im Stadion, lobt Osnabrück als schöne Stadt, die Stimmung im Stadion und krönt sein Lob mit der Aussage, dass der VfL eine Bereicherung für die zweite Liga ist. Allseits großer Applaus. Dann verliest er die Mannschaftsaufstellung des SC Freiburg und die Ultra-VfL-Fans beginnen ihr leider obligatorisches Pfeifkonzert.
Bitte noch etwas Positives. Der VfL hat mit der Einrichtung einer Kindertribüne ein Novum im Profifußball geschaffen. In der Kurve wo ich immer stehe ist jetzt eine Fläche für 200 Kinder abgetrennt, die dort in Ruhe Fußball richtig sehen können. Benannt ist sie nach Joe Enochs, der wohl in seiner letzten Saison beim VfL spielt und von St. Pauli kam. Ein Vorbild für die Jugend und Identifikationsfigur beim VfL.

Anpfiff
Der VfL spielt ziemlich bedächtig mit nur einer Spitze. Warum auch im Hurra-Fußball untergehen? Gerade in den ersten Spielen weiß noch keine Mannschaft, wo sie steht und da ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Die Freiburger kommen allerdings besser ins Spiel und haben auch die eine oder andere kleine Chance. Doch was Cichon in der Abwehr nicht wegräumt hält Gößling.
Die erste gefährliche Situation für den VfL führt auch gleich zum Elfmeter. Reichenberger wird vom Freiburger Torwart regelrecht angesprungen, was allerdings nicht regelgerecht ist. Gelbe Karte für den Torhüter und Cichon schießt den Ball ganz souverän in die Maschen. Mit dem Torschrei der Zuschauer entlädt sich die ganze Anspannung der Ungewissheit. Es wird laut im Stadion. So laut, wie ich es bis dahin noch nicht erlebt habe. Gänsehaut. Und plötzlich erwacht der VfL und erspielt sich weitere Chancen, die allesamt nicht zwingend sind.

Zweite Halbzeit
Freiburg hat endlich gemerkt, dass in der Osnatel-Arena (lieber „Bremer Brücke“) doch was zu holen sein muss und baut mit Beginn der zweiten Halbzeit mächtig Druck auf. Die Abwehr des VfL muss Schwerstarbeit leisten. Die Bemühungen der Breisgauer gehen soweit, dass man schon vergessen hat, dass der VfL noch immer 1:0 führt. Und plötzlich kontert Osnabrück im eigenen Stadion. Nach einem intelligenten Pass von Perre de Wit (Leihgabe von Leverkusen) schließt Reichenberger mit einem sehenswerten Außenristflachschuss zum 2:0 ab. Der jetzt aufbrandende Jubel übertrifft alle bis dahin gehörten Geräuschpegel. Ich höre in mir die Stimme des Aufstiegs-Live-Streams am letzten Spieltag der vergangenen Saison: „Das muss doch jetzt der Aufstieg sein!“. Halt, so weit ist es ja doch nicht. Aber wie weit es wirklich ist, sagt mir mein Gefühl. Ich habe nicht den Eindruck, dass der VfL bei einem Gegentor einknickt und man froh sein kann, wenn es noch unentschieden ausgeht. Wie es wirklich ist, erfahre ich sieben Minuten später, als die Freiburger nach einem Freistoß den Anschlusstreffer köpfen. Es scheiden sich die Geister, ob es ein Torwartfehler war oder einfach nur Pech. Meiner Meinung nach trifft Gößling nicht die Hauptschuld. Der Ball springt kurz vorher noch auf, er ist in der Ecke, er kommt an den Ball und trotzdem rutscht das Spielgerät unter seinem Arm ins Tor. Es sieht nach einem Fehler aus, ist aber meiner Meinung nach nur unglücklich.

Schlussphase
Das was jetzt abgeht ist der Grund, warum Fußball im Stadion so fesseln kann. Als Zuschauer ist man machtlos und muss mit ansehen, wie die eigene Mannschaft einen sicher geglaubten Sieg noch verschenkt. Diese Anspannung bei den Fans setzt allerdings auch Kreativität frei, die ich hier nicht vorenthalten möchte. Der Vorschlag lautet: Beim nächsten Heimspiel werden alle Zuschauer gedopt, in der Hoffnung, dass irgendwas davon auf die Spieler abfärbt.

Schlusspfiff
Gewonnen. Ich fühle mich, als hätte ich mitgespielt. Ich schwitze auch so. Schnell noch hören, ob das 2:1 zur Tabellenführung reicht. Der Wahnsinn ist wieder da und Osnabrück mit dieser Mannschaft erstmals in der zweiten Liga angekommen.

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