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Ron Sexsmith – 21.10.2006 Osnabrück Rosenhof

Die Vorgeschichte
Ingo kommt pünktlich mitten in der ersten Halbzeit der Bundesligareportage. Er überreicht Geschenke für meine Frau und mich, was aber nicht nötig gewesen wäre. Anschließend unterhalten wir uns bei Kaffee und Kuchen über Kinder und Kegel und – Musik. Unterbrochen werden wir nur von unseren Stenkelfeld-zitierenden Kindern, die mit ihrer Selbstdarstellungssucht kein ruhiges Gespräch ermöglichen. Nach einem ausgiebigen Abendbrot, das Ingo nur bescheiden annimmt, beschließen wir, als Einstimmung auf das Konzert noch etwas Programm auf StoneFM zu machen.

Das Konzert
Vor einer Woche kriegte man kein Bein mehr an die Erde, so voll war es bei Tomte. Heute zeigt sich das Rosenhof sehr übersichtlich. Im Parkett ist es bestuhlt und auch voll besetzt. Weiter hinten stehen vereinzelt Besucher an Tresen oder Stehtischen. Dawn Kinnard spielt schon. Eine zierliche blonde Frau mit einer groß wirkenden Gitarre, aus der sie fragmentarisch Töne lockt. Darüber singt sie mit einer brüchigen Stimme, die an Marianne Faithfull erinnert. Der Raum knistert vor Spannung. Zum Ende des Konzerts bedankt sie sich, packt ihre Gitarre ein und geht durchs Publikum zum Merchendisingstand, wo sie Tonträger ihres 2007 erscheinenden Albums verkauft. So Auge in Auge wirkt sie nicht mehr so jung, ist aber freundlich. Ein Typ neben mir quatscht sie komisch an und ich verstehe ihn nicht. Sie ihn auch nicht und wirkt etwas irritiert.

Nach einer kurzen Umbaupause kommt Ron Sexsmith mit seiner Band auf die Bühne. Er wird mit einem warmen und herzlichen Applaus empfangen. Er beginnt Gitarre zu spielen und singt. Es wird mucksmäuschenstill. Wie bei einer Vorlesung, die jeder konzentriert verfolgt, werden vom Publikum die Töne und der Gesang aufgesogen, so dass nichts davon übrig bleibt. Stück für Stück wird es melancholischer, was auch an Sexsmith’ Stimme liegt, die gar nicht anders kann. Nur selten macht die Band Druck. Meistens spielt sie entspannt die Songs von Sexsmith einfach mit, wobei sich die Frage stellt, ob er die Band für diesen intimen Gesang überhaupt gebraucht hätte. Tim Bovaconti (git), Jason Mercer (bass) und Mark Mariash (drums) nehmen sich zurück und kommen demzufolge auch nicht ins Schwitzen. So zieht sich der Beginn etwas hin, aber zur Mitte des Konzerts wird es etwas lebhafter in den Songs, als wolle er doch noch ein Rockstar werden. Doch gleich nach zwei Midtempo-Nummern schickt er seine Band zum Duschen oder sonst wohin und macht allein weiter. Jetzt erfüllt eine andere Magie das Auditorium und es ist wieder ganz still, während man ihm bei seinen Songs zuhört. Danach darf die Band dann noch mal ran und haucht dem ganzen Abend wieder Leben ein. Bevor es in den Zugabenteil geht, rockt sie einmal richtig laut los und es wirkt, als ob sich die angesammelte Konzentration bei Musikern und Publikum gleichermaßen entlade. Jetzt scheint auch Sexsmith Betriebstemperatur zu haben, denn die Zugaben geraten alle ausnahmslos zu Höhepunkten. Ich gehe kurz raus, um Ingo ein im Foyer hängendes Tourposter zu besorgen, was auch problemlos klappt.
Dann entlockt mir das Publikum ein Lächeln, denn noch bevor nach der sechsten Zugabe das Saallicht angeht, steht es auf und geht ohne weitere Zugaberufe nach Hause. So gesehen sind wohl alle satt geworden.
Ich bin mit Ingo noch ein Häuschen weiter gegangen, um ein weiteres Bier zu trinken und uns noch ein bisschen über Musik und dem Drumherum zu unterhalten. Dann bringt er mich den Berg hoch und fährt auch nach Hause.

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