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08.09.2005 Texas Lightning - Osnabrück Lagerhalle

Der Hut bleibt auf

Es ist eine Viertelstunde vor einundzwanzig Uhr, also dem High Noon für Freunde bizarrer Countrymusik. Elwood und ich stehen pünktlich und gutgelaunt in eine Plauderei vertieft am Tresen und stürzen Getränke die Kehle herunter. Es ist warm, nein es ist heiß in der Lagerhalle. 400 ltr. trinken, um 600 ltr. zu schwitzen.
Kurz vor dem Auftritt von Texas Lightning wird es dann auch gemütlich voll. Wir können gut stehen und sehen und das ist ja die Hauptsache bei einem Konzert. Mit einer Armbewegung können wir das georderte Bier (ich) oder die verschiedenen alkoholfreien Getränke (Elwood) bequem von der Theke nehmen. Bestellung geht fast per Zuruf. Das Personal ist gut gelaunt. Vermutlich rrreiiiinnee Papstkraft.
Die Bühne ist nett dekoriert und mit einem funkelnden schwarzen Tuch abgehängt. Da drauf prangt der Texas Lightning Schriftzug. Links und rechts sind beleuchtete Kakteen aufgestellt. Es ist Showtime im Saloon.
Noch ein Satz zum Publikum. Ich bin immer wieder erstaunt, wie manche Menschen die Welt und sich sehen. Es ist aber nett anzuschauen, wenn Cowboys mit Hut durch die Stadt gehen oder die Frau die die amerikanischen Flagge als Bluse umgearbeitet hat an uns vorbei geht. Das Durchschnittsalter ist deutlich über dreißig anzusetzen. Und da fängt das Problem doch schon an. Als Olli Dittrich nach dem zweiten Song die Band vorstellt, bölkt irgendwer neben mir „Lauter!!!“ quer durch den Saal. Die Individualtaubheit gepaart mit Arroganz und Egoismus ist eine schlimme Sache. Wer nichts hört soll weiter nach vorn gehen. Wer nichts sieht, soll noch weiter nach vorn gehen. Die Befürchtungen, dass mein unbekannter Nachbar gleich auch noch lustig sein will, bestätigen sich zum Glück nicht. Ich sehe einige Doppelgänger bekannter Forumianer und den Bruder von Zappa1.
Die Band spielt mit einer lässigen Sicherheit und man kann allen Beteiligten ansehen, dass sie Spaß an der Sache haben. Jane Comerford, ihres Zeichen Sängerin und Vocaltrainerin hat eine Stimme zum Steinerweichen. Nahtlos, also perfekt, passt sie zur Musik. Der Sound insgesamt ist sehr gut. Alle Instrumente sind gut zu differenzieren.
Neben mir werden die ersten Whiskey getrunken, derweil ich mir einen Zigarillo anzünde.
Zwischendurch spielt Olli Dittrich auch Gitarre und singt. Das kennt man ja noch von den Doofen, nur dass es jetzt gewollt gekonnt vorgetragen wird. Natürlich macht er auch fast alle Ansagen und selbstverständlich mit seinem Humor. „Dittsche“ findet heute Abend nicht statt, obwohl sein kongenialer Pommesbudenbesitzer vorne rechts auf der Bühne ebenfalls Gitarre spielt. Texas ist Texas, Dittsche ist Dittsche und Butsche Rooney ist Butsche Rooney. Nach einer Stunde ist Halbzeit. Kurz vor der Pause kommt es zu einem angeblichen Novum: Die Band zieht ihre Jacken aus. Der Hut bleibt auf. Neue Getränke werden geordert, Menschen strömen nach draußen. Sie suchen frische Luft, aber in der Spätsommernacht an einem Donnerstag finden sie nur ein laues Lüftchen. Elwood und ich unterhalten uns. 20 Minuten sind ruckzuck rum. Ohne in dem perfekten Vortrag nachzulassen, covert sich die Band durch die Jahrzehnte der Pop- und Rockgeschichte. Jon Flemming Olsen hat ebenfalls eine hervorragende Stimme und die Satzgesänge kommen gestochen scharf. Aber immer wieder beobachten Elwood und ich staunend diese Leichtigkeit mit der die vier Cowboys und die Dame musizieren. Nach etwa zwei Stunden Spielzeit ist dann Schluss. Die Band geht von der Bühne und die Cowbys wieder nach Hause bis zum nächsten Konzert. Dann haben sie vielleicht Lederwesten an.

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