<<< zurück

Olli Schulz und der Hund Marie – Münster 18.10.2005 Gleis 22

Es sollte der Abend des Olli Schulz werden. Das merkte ich schon, als ich Dominicks Weechbeschreibung folgend die ganze Zeit dachte: Ich habe mich verfahren. Hatte ich aber gar nicht. Münster ist nämlich genau so ein Dorf wie jede andere Stadt auch, nur etwas unübersichtlicher. Man merkt gleich, dass damals eine Menge stehen geblieben ist. Stehen geblieben bin ich dann nach erfolgreicher Parkplatzsuche auch. Allerdings dachte ich danach die ganze Zeit: Die schleppen mich ab. Dabei stand ich weder im Halteverbot, noch sonst wie verkehrswidrig. Dennoch, ein Osnabrücker in Münster ist so wie ein Englishman in New York. Nachdem ich aussteige, um Dominicks Domizil zu Fuß zu suchen, stelle ich fest, dass alle Straßennamen in dem Viertel auftauchen, bis auf den einen. Na gut, wer gern verwaltet, der gibt auch gern Auskunft und so suche ich Passanten, die so ähnlich aussehen, als ob sie sich auskennen. In dem Moment gehe ich an einem Kleinwagen mit der Aufschrift „Meerschweinchen-Pension“ vorbei. Sachen gibts. Ein paar Meter weiter frage ich ein junges Paar erst, ob sie sich auskennen und dann nach nach dem Weg. Sie kennen sich aus, können mir aber auch nicht helfen. Ich will noch die Frage: „Wisst ihr, warum M&Ms M&Ms heißen?“ stellen, aber halte besser meinen Mund und suche weiter, denn es drückt mittlerweile nicht nur die Zeit. In einer fremden Stadt fragt man am besten sowieso die alteingesessenen Menschen, die alles mit aufgebaut haben (obwohl ja, wie eingangs erwähnt nicht viel zerstört wurde damals). Das ältere Ehepaar macht einen netten Eindruck und lädt gerade etwas in den Kofferraum, als ich sie frage, ob sie sich auskennen. In dem Moment klappt der Mann den Kofferraumdeckel zu und ich erkenne das Bottroper Kennzeichen. Ergo: Auf Alte ist auch kein Verlass, weil Deutschland mobil ist. Nun, versuche ich es weiter auf eigene Faust. In einer Straße die so ähnlich klingt wie die, in der Dominick wohnt, kommt mir ein junger älterer Mann entgegen, der Stöpsel im Ohr hat. Das erkenne ich aber erst, als ich schon zur Frage angesetzt habe. Der Angesprochene blickt verwirrt, als wäre ich ein Englishman in New York und nennt mich beim Namen. Erleichtert entfährt mir ein „Herr Rossi“ und fortan machen wir uns gemeinsam auf die Suche nach dem Glück, dass sich in einer funktionierenden Toilette und einer leckeren Portion Chili Con Carne zeigen soll. Vom Wisch zum Tisch. Und als ob es die Fügung mit dem Schicksal gut meint, finden wir endlich Dominicks Adresse. Alles Weitere findet sich auch und so sitzen drei gutgelaunte junge Menschen tratschend in einem derangierten, vom Umzug gebeutelten Ess-Wohnzimmer (es könnte aber auch die Bibliothek sein oder das Musikzimmer) bei einer warmen Mahlzeit mit Baguettebrot. Wanderer kommst Du nach Münster, kehre ein bei Dominick und frage nach Chili Con Carne.
Zu Fuß machen wir uns kurz darauf auf den Weg ins Gleis 22, bzw. davor, um in westfälischer Affenkälte zu warten. „Wir könnten ja vorher noch etwas trinken.“ Mit diesem Satz lotste uns Dominick viel zu früh aus seiner Wohnung. Während der Wartezeit treffen wir noch Pipe-Bowl und seinen Begleiter. Während Herr Rossi eine handelsübliche Eintrittskarte vorzeigen und eintreten darf, hält uns ein gespielt (?) überforderter (?) Student (?) an der Kasse auf, der auch auf den Vorschlag von Dominick, uns eben zwischendurch zu bedienen zunächst nicht nach kommt und hinterher auf die großartige Idee kommt, uns eben zwischendurch zu bedienen. „Ich weiß nicht warum ich euch so hasse“ schleicht sich in mein Ohr. Nachdem wir aber endlich drin sind, im Gleis (klingt blöd, ist aber so) reihen wir uns in die Unterhaltenden ein und öffnen Tür und Tor für die drängelnde, ewig Köperkontakt suchende und Getränke verschwappende Meute um uns herum. Ja, es ist voll und ausverkauft und wird immer wärmer. Die Hitze lässt uns über Westernhagen sprechen (es muss ein Zeichen sein, denn Olli Schulz wird ihn später auch noch erwähnen) und schon hat Dominick den Ohrwurm „Freiheit“ in sich drin. Hallelujah.
Bevor Olli Schulz auf die Bühne kommt, kommt er erstmal so klein von rechts und kündigt einen Film an, der davon handelt, wie die Band mal bei einem Countryfestival in Hamburg-Horn mitgemacht hat. Hier ein Wort an die Hamburger Fraktion: Es gibt ja zahlreiche Festivals und Veranstaltungen, aber dass dem Forum so ein Highlight der Unterhaltung aus Hamburg-Horn vorenthalten wird, finde ich gewissermaßen berechtigt. Wieso sagt da keiner Bescheid?
Der Auftritt, immerhin mal wieder ein Tourauftakt, gestaltet sich steigerungsfähig. Nach ziemlich zähen Beginn, kommt Olli Schulz in Fahrt und erzählt Geschichten. Leider tut es das Publikum ihm gleich und so wir ziemlich ahnungslos im Raum und möchten gern die wichtigen und richtigen Dinge hören und nicht die Urlaubserlebnisse der letzten Last-Minute-Woche. Aber wie sangen schon die Stones: „You can’t always get what you want.“ Auf der Bühne geht es heiter und beschwingt weiter und aus diesem schüchternen sympathischen Songwriter entspringt erst ein Heavy-Metal-Monster (sehr groß der Song: „Zwei reden, einer bangt“) und dann ein Reimmonster. Man muss schon gut zuhören, um alles mitzubekommen, aber dann lohnt es sich. Während des Konzerts verteilt die Band nacheinander Süßigkeiten, belegte Brötchen, Bier und zum Schluss Rosen. Es war ein toller Auftritt der nur ein Ziel hatte: Gute Unterhaltung und das wurde erreicht.
Apropos erreichen. Münster ist ja lustig ausgeschildert. Während man von Osnabrück kommend die Abfahrt Nord nimmt, um sich den Radfahrern in der Innenstadt zu stellen, führen einen die Wegweiser stadtauswärts zur Auffahrt Münster-Süd, was ja eigentlich nicht schlimm gewesen wäre, wenn die Ausfahrt Richtung Bremen/Osnabrück nicht gesperrt gewesen wäre und just auf der Autobahn sich ein Unfall ereignet hätte. So fuhr ich dann noch ziemlich genervt erst Richtung Wuppertal, um dann auf der Gegenrichtung wieder zurück zu fahren. Ich hörte nebenbei zweimal das komplette Art Brut Album, war also eine Stunde unterwegs und muss sagen: Es wird ab dem sechsten Song nicht schwächer, nur anders.

<<< zurück