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Mitch Ryder, 13.02.2005 Lagerhalle Osnabrück

Noch auf dem Weg zur Lagerhalle dachte ich an eine Art Altherrenrock. Speckige Lederjacken oder zu klein geratene, aber selten getragene Jeansjacken stellte ich mir vor. Das war aber auch das einzige, was ich mir vorstellen konnte. Dem Rest habe ich ziemlich neutral entgegen gesehen. Und so komme ich in eine mäßig gefüllte Lagerhalle und das bedeutet ca. 300 Zuschauer wollen an diesem Abend eine Bluesrocklegende wie Mitch Ryder sehen und hören. Pünktlich mit einer Viertel Stunde Verspätung kommt die Band auf die Bühne, von der der Schlagzeuger, der Bassist und der eine von zwei Gitarristen auch einer Heavy-Metal-Band entsprungen sein konnten. An den Keyboards sitzt eine XL-Ausgabe von Carlo von Tiedemann und Mitch Ryder hat mit Steve Hunter, der u. a. schon mit Tracy Chapman und Peter Gabriel gearbeitet hat, einen erstklassigen Gitarristen als Special Guest dabei.

Als Mitch Ryder die Bühne betritt hat sich die Band schon ein bisschen eingegroovt und bietet einen leichtfüßigen Beginn. Nach zwei Songs kommt dieses Gefühl von gemieteten Begleitbands hoch, die nicht mit dem Auftraggeber harmonieren wollen. Ab dem dritten Song wird das widerlegt. Die Band passt sich Mitch Ryder an wie eine zweite Haut, wie ewige Vertraute. Nachdem der Entertainer auf die Frage „Any older people here tonight?“ nur eine hochgehobene Hand sieht kündigt er den nächsten Song mit „This is for the youngsters“ an und spielt „Ain’t nobody white…“ Betriebstemperatur. Anschließend gleich „Freezin’ In Hell“ in einer etwas unterkühlten Version. Vielleicht zu früh.

Kein Song wird ohne Ansage gespielt, es gibt immer etwas zu berichten. So unter anderem auch, dass er eine neue Hüfte hat, die gut funktioniert. Die andere schmerzt dafür. Im Frühjahr will er sie auch erneuern lassen und beim nächsten Auftritt für das Publikum tanzen. Und er erzählt von einem amerikanischen Musikmagazin „Rolling Stone, you know“, dass die 500 besten Songs gewählt hat und als er dort blättert findet er zwischen Beatles, Stones und Dylan auch einen Song von sich. Zu unserer Ehren wird er auch gleich gespielt.

Zum Ende des regulären Sets gibt es eine Version von „Gimme Shelter“, wie sie die Stones noch nie gespielt haben. Dabei zeichnet sich eine Heavy-Begleitband aus, die über einen Double-Bassdrum-Drummer verfügt. Restlose Begeisterung erfüllt den Ort und mich. In den Zugaben spielt er „When You Were Mine“ von John Mellencamp. Ich dachte, dieser Song sei von Prince, kannte ihn aber nur von Hi-Fi. Einmal quer durch die Staaten. Der letzte Song ist heute „Heart Of Stone“. Ein gesundheitlich angeschlagener Mitch Ryder geht mit seinem Stock von der Bühne, in den Bewegungen das Konzert über eingeschränkt, innerlich aber brodelnd. Nächstes Jahr will ich ihn tanzen sehen.

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