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Die Toten Hosen, 10.12.04 Bremen - Stadthalle 5

Nichts bleibt für die Ewigkeit! Das es sich hier um ein Punkkonzert handeln soll, merkt man erst an den Unmengen zerborstener Flaschen vor dem Eingang, die schnell noch hastig geleert werden und dne Weg zum Container nicht mehr schaffen. Dann sieht man ein paar irre Frisuren mit lustigen Seesäcken auf denen Lebensweisheiten aufgeschrieben sind. Es gibt auch die Campino-Doppelgänger. Zum wiederholten Mal sehe ich DIE HOSEN in Bremen und zum wiederholten Mal erzählt Campino von einer Ankündigung als "Die toten Hasen" anno 1982. Manche Dinge sind eben unverzeihlich.
Es ist voll, rappelvoll. Überall. Bierstände, Toiletten, Tribünen und Innenraum. Und es herrscht kurz vor Beginn des Auftritts eine gute Stimmung in der stahlkonstruierten abtörnenden Stadthalle. Es gibt "Football is coming home", "We Will Rock You", und "You'll Never Walk Alone" vom Band. Prä-Apres-Party mit Stimmungsgarantie. Das Saallicht verlöscht und automatisch beginnt der Mund sich zu bewegen: In einer Welt in der man nur noch lebt... Eine Band, die mit einem ihrer größten Hits ein Konzert beginnt hat ein gesundes Selbstbewusstsein. Zu recht, denn selten erlebt man derart ausgelassene Rockkonzerte. Dann geht es quer durch das neue Album, rein in die Vergangenheit und zwar so rasend schnell, dass man oft nicht weiß, in welcher Zeitzone man sich gerade befindet. Das neue Material fügt sich nahtlos ein. Neu ist an diesem Abend die Streuung bedächtiger Titel wie "Alles wird vorübergehen", "Nur zu Besuch" und "Herz brennt". Dazwischen gibt es in den ersten eineinhalb Stunden wenig partytaugliches. Die Abkehr von Sauf- und Gröhlliedern im Hauptprogramm tut der Band und dem Publikum sichtlich gut. Es werden alte Fans dabei genauso bedient, wie Jüngere. Der jüngste Besucher dürfte wohl zwischen fünf und sechs Jahren alt gewesen sein und wurde auf den Schulter eines verantwortungslosen Papas getragen. Ich habe für solche Aktionen überhaupt kein Verständnis und verstehe auch die Ordner am Eingang nicht, die Kindern unter 12 Jahren den Zutritt nicht verwehren. Wie soll ein Fünfjähriger eine Horde von 7000 bier- und freudetrunkenden Menschen verstehen? Das habe ich am Eingang zu einem anderen Konzert schon mal besser gesehen, als der Eintritt verwehrt wurde. Zurück zur Bühne, wo Campino soeben das letzte reguläre Stück ansagt. Zugaben folgen. Und nun kommen sie doch noch, die Wir-passen-auf-einander-auf-und-haben-uns-lieb-Lieder. Der Niveau-Schnitt wird recht deutlich, die Band kommt noch dreimal auf die Bühne um sich mit einem live gespielten "You'll Never Walk Alone" endgültig zu verabschieden.


Hier die Setlist:

Ich bin die Sehnsucht in Dir
Weißes Rauschen
Auswärtsspiel
Cocaine In My Brain
Alles wird vorübergehen
Herz brennt
Zurück zum Glück
How Do You Feel
Song 2
The Guns Of Brixton
Hang On Sloopy
Freunde
Walkampf (inkl. Gummitier-Surf-Einlage)
Pushed Again
Schön sein
Paradies
Steh auf, wenn du am Boden bist
Madelaine (aus Lüdenscheid)
Nur zu Besuch
Niemals einer Meinung
Bayern
Auld Lang Syne
Zehn kleine Jägermeister
Schönen Gruß, auf Wiedersehen
Bis zum bitteren Ende
Hier kommt Alex
Wünsch Dir was
Wort zum Sonntag
All die ganzen Jahre
Venceremos - Wir werden siegen
Du lebst nur einmal

Eigentlich kann ich mir ja Lieder überhaupt nicht merken, aber gestern ging das mehr als gut. Dieser Auftritt hat mich völlig überzeugt und würde im Nachhinein als Gig des Jahres in meine Bewertung eingehen. Die alten Herren können es doch noch am besten, die Verquickung von Alkohol, Musik und Fussball. It's coming home!

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