Frühlingsfest beim RS

Der Verlag ruft: „Bringt Würstchen und Getränke mit.“ Korn, Bier, Schnaps und Wein, Sekt oder Selters, völlig egal. Die warme Frühlingssonne scheint auf gutgelaunte Redakteure, Journalisten und andere, als am 16. April in der Werinherstraße, bzw. im hinteren Teil des großzügigen Geländes mit anschließender Parkfläche das Frühlingsfest des RS statt findet. In dem erst vor drei Tagen neu weiß getünchten Musikpavillon spielt eine Barockband Klassiker der 70er Jahre auf Querflöte, Fagott und Harfe. Etwas weiter steht das Spiegelzelt, in dem es zu laut hämmernden Beats Getränke am Rande der Legalität gibt. Des Künstlers Öl ist nun mal Absinth. Um es vorab zu sagen: Es wird eine rauschende Ballnacht, die schon zu Beginn auf hohen Spaßwellen reitet. Herr Willander steht mit der Toten-Hosen-Grillschürze am Grill und denkt: „Man kann es drehen und wenden…“ und legt das erste Formfleisch auf, derweil Frau Fuß sich auf ihren spätabendlichen Vortrag über die Fusion von REM und Bon Jovi vorbereitet.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten möchte der Chef eine Rede halten müssen und da sich jeder als Chef fühlt, wird der Redner ausgelost. Das Glück ist zunächst Gerrit Pohl hold, der aber nur via Webcam zugeschaltet ist. Es gibt Gerüchte, die an seiner lebendigen Existenz zweifeln, da ihn noch nie jemand gesehen hat. Jenun.

Das große Los fällt auf Anja Rützel, die im Duett mit Hans Hoff zunächst eine schnarchige White Stripes Imitation vollführt, um dann aber rasant Fahrt aufzunehmen, als sie, noch immer benommen vom GG-Interview ihren Duett-Partner förmlich mitreißt und beide erst „Im Wagen vor mir“ schmettern und dann mit „Du, die Wanne ist voll“ den Vogel abschießen. Teile der Gäste schlagen die Hände vorm Gesicht zusammen. Anschließend folgt ein Beitrag von Hans Hoff über freilaufende Fernsehkameras in Bodenhaltung.

Im Laufe des Abends trudeln noch der eine oder andere berühmte Münchner ein. In Bierlaune überlegt man, den Rolling Stone über Bayern München vermarkten zu lassen. In schnellen und hektischen Sätzen sprießen Ideen von Stadionnamen wie „Stone Dome“, und „Rolling Stone Home“. Die Trikots werden mit dem aktuellen Cover bedruckt und aus Uli Hoeneß wird Uli Via Newton-John. Franz Beckenbauer wird im Eilverfahren Uefa-Präsident und Magath wird durch Joachim Hentschel abgelöst, der gleich darauf Michael Schumacher und Campino verpflichtet. Sie spielen nur eine Saison.

Kurz nach elf sind die Würstchen alle, aber es ist noch Bier da. Die verbliebenen Gäste versammeln sich im Spiegelzelt, während die Barockband gerade „Highway To Hell“ intoniert. Das bringt einige Radaktionsmitglieder auf die Idee, einen Karaoke-Wettbewerb zu starten und um es etwas schwieriger zu machen, werden alle Lieder rückwärts gespielt. Wer richtig rät darf singen. Das wird ein Spaß. Maik Brüggemeyer errät alle Gassenhauer der Go-Betweens und Costello, was bei einigen die Vermutung aufkommen lässt, Costello höre sich hinten wie vorne gleich an. Der Sänger darf nach seinem Vortrag einmal in den heiligen Sack des Inner Circles sehen. Verraten wird der Inhalt nicht.

Gegen Ende der Veranstaltung, nachts um vier Uhr sitzen noch drei Gestalten auf einer Bierzeltsitzgarnitur und rätseln über Dinge, die nicht greifbar sind. Im Zelt verstreut liegen Papierschnipsel neben Soundschnipsel, der Biergeruch ist allgegenwärtig. In dicken Schwaden hängt Rauch über den Köpfen, die sich denselben darüber zerbrechen, wie das mit der Feinstaubbelastung bei herkömmlichen Plattenspielern ist. Als der Morgen graut und die Sonne wohlwollend über die Schlafenden scheint und sie wärmt, sitzt der Rest der Truppe schon wieder in den Büros und werkelt an der nächsten Ausgabe.

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