Schillerstraße is everywhere

Wer es noch nicht kennt. Der neueste Schrei ist Improvisationstheater. Jaahaa, werden jetzt die ersten wieder sagen, Improvisationstheater ist doch ein alter Hut. Nun, seitdem er im Fernsehen aufgesetzt wird, der alte Hut, ist die Improvisation durch Anleitungen auf Zuruf wenigstens präsent.
Es gibt im richtigen Leben natürlich auch eine Schillerstraße mit richtigen Bewohnern, die ihre Aufgaben stets lösen, aber – und da unterscheidet sich die Realität vom Fernsehen – mit viel mehr Regisseuren. Bei der Vielzahl ist es den Akteuren fast unmöglich, adäquat darauf zu reagieren und so versagen sie sich bisweilen den Anweisungen. Z. B. hatte der Regisseur Oddset schon vor langer Zeit dem Akteur DFB gesagt was er tun soll, aber Herr DFB konnte mit der Anweisung überhaupt nichts anfangen und streikte. Kurz darauf bekam Herr DFB dann von Regisseur Hoyzer einen Tipp, wie auf die Anweisung von Herrn Oddset reagiert werden kann.
Herr Westernhagen wohnt gleich nebenan und bekam von Regisseur Sting die Anweisung sofort wieder auf die Bühnen zu klettern. Wer in Würde altert, dem würde das Altern nicht so schwer fallen. Doch wie sieht es mit weiteren Nachbarn aus? „Peter (Maffay), du machst jetzt dein 21. Rockalbum, so wie immer“. –„Ok Freunde, ich mache jetzt meine 21. Platte“
Bei einigen Zeitgenossen frage ich mich schon, wer ihnen sagt, was sie zu tun haben. Von allein kann man doch nicht darauf kommen, als 82-jähriger bei einem Metal-Konzert auftreten zu wollen. So jedenfalls kündigt es Christopher Lee an.

Flatrate reziprok assimilliert

Neues aus dem Jammertal. Noch bevor die Klingelton-Hitparade erscheint kommt der deutsche Phonoverband mit einer ganz neuen Geschichte aus den Löchern. Es soll ab Juni 2006 eine CD mit Flatrate geben. „Wasdasdenn?“ fragt einer der letzten aufrechten CD-Käufer. Zurecht, denn was ist eine Flatrate. Fragen wir mal Googles Sprachtool und lassen es übersetzen. Pauschal. Pauschal was? Und so geht der Dialog bruchstückhaft weiter, bis das geklärt ist. Eine Flatratereise gibt es nicht, eigentlich gibt es nicht mal DIE Flatrate von der jeder spricht. „Guten Tag ich hätte gern den DSL-Anschluss mit einer Pauschal!“ – „Hä?!“ macht der gedankenverlorene und zu Recht unterbezahlte Mann zwischen 20 und 25 Jahren, idealerweise mit Hochschulstudium im Telekommunikationsbereich und zwölf Jahren Berufserfahrung inkl. hervorragenden Englischkenntnissen und guter Rhetorik in einem Laden, der weltweit einer der größten Anbieter von privaten Telekommunikationslösungen und Datentechnik ist. „Wo sind sie denn? Ihre perfekten Englischkenntnisse?“ – „Tja, äh, aber ‚pauschal’ ist doch kein englisches Wort.“ – „Natürlich ist ‚pauschal’ kein englisches Wort, aber es ist der Rede wert. Ich habe mich informiert. Das, was Sie Flettrayt nennen, heißt frei übersetzt pauschal. Ich kann also pauschal im Internet surfen. Ich kann auch pauschal reisen. Mein Reisebüro meint, wenn ich Flatrate sage irgendwas mit all inklusive.“ Kurz gesagt, ich habe den DSL-Anschluß und eine Flatrate, weil es eben so heißt.
Zurück zum deutschen Phonoverband. Ab Juni sollen CDs neben einen Kopierschutz noch einen Abspielschutz erhalten und wie schon bei BMG in drei Versionen (nothing, normal, nonchalant) zu erhalten sein. Was hat es damit auf sich? Es handelt sich hier um sehr preiswerte CDs, die nur eine begrenzte Abspielanzahl aufweist. Genaue Zahlen wollte noch niemand nennen, aber das Produkt pendelt sich wahrscheinlich in den Bereich von fünf und sieben Euro ein und ist dann zehn mal abspielbar. Danach kann über die jeweilige Homepage der Plattenfirma gegen Bezahlung einer Lizenzprämie ein Code freigeschaltet werden, der die CD entriegelt und dann frei zugänglich macht. So soll der Tonträger CD wieder in den Markt etabliert werden, aus dem er schon dank/kraft MP3 fast verschwunden ist. Schon heute gibt es CD-Sammler, die fast noch akribischer als die Vinylisten zu Werke gehen, um an Tonträgerstoff zu kommen. Nichts bleibt unversucht.

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