Bob Dylan – Die Never-Aging-Tour

Bob Dylan ist in jeder Hinsicht ein Phänomen. Er hat schon alles betextet und beschrieben und vieles davon auch, mit Verlaub, es gibt kein richtiges Wort dafür, besungen. Bildhafte Endlostexte, die den Surrealismus streifen oder Textbilder in Pastell („Simple Twist Of Fate“), Sozialkritik für Kinderohren („Maggies Farm“) und liederbuchfüllende Endzeit-Klassiker („Blowin’ In The Wind“ oder „Knocking On Heavens Door“). „Knocking…“ hilft jedem gerade aufsteigendem Sternchen, bzw. jedem verblassenden Star wieder aufs Pferd.
Er ist die Cashcow mit dem kurzzeitigen Albenlebenszyklus. Der erste Künstler bei Sony, dessen Neuerscheinung bereits zwei Tage später im Nice-Price-Katalog erscheint. Was einerseits für die Fans toll ist, ist für Dylanologen ärgerlich, denn ihre Ungeduld lässt Kassen klingeln. Bob Dylan muss man KAUFEN, nicht kopieren. Man kopiert ja auch keine Bücher von Nick Hornby,
Bob Dylan ist unter Musikfreunden so beliebt wie Musikzeitschriften, gute Rezensionen und Stars-un-Masse zusammen. Aus diesem Grund werden weltweit in allen Metropolen Geburtstagsparties veranstaltet. Rom, Paris, London, New York und Fichtenberg, um nur die wichtigsten zu nennen. Für einige ist Bob Dylan Jesus, nur dass sein Kreuz die Gitarre ist. Daher auch die Weisheit, es sei ein Kreuz mit der Gitarre. Mitunter glaubt man, er hat Stacheldrahtsaiten aufgezogen, denn er spielt wie ein blutiger Anfänger und raunzt seine Band dafür an, dass sie seinen Verspielern nicht folgen kann. Recht so. Genauso hat er das Recht, die Setlist nach Tagesform zu gestalten. Wenn er morgens aus dem Fenster eines seiner Never-Aging-Hotels schaut und die Sonne blendet ihn, dann gibt es eben besinnliches. Fällt gar Regen, wird aus dem „Highway 61“-Album gesungen. Bei Sturm ist es „Hurricane“. Oja, es lassen sich viele Witze über alte Männer machen, besonders, wenn sie nicht mehr aufhören können. Was macht Bob Dylan so erfolgreich? Er hat seine Wanderklampfe gegen Strom getauscht und damit den Umbau einer Umwelt voran getrieben, genau der Umwelt, für die ihn seine Anhänger so verehrt haben, als er noch mit staubigen Schuhen zwischen ihnen stand. Er hat sich vor den elektrischen Zug spannen lassen. Immer wieder gern wird diese eine Geschichte heran gezogen. Dass Jimi Hendrix niemals eine Wanderklampfe besaß interessiert doch keinen. Jimi ist nicht Bob und letzterer geht auch nicht zum Regenbogen. Nicht mal zur Regenbogenpresse. Seit Jahren wartet die „Deutschland-sucht-den-super-Bob-Dylan-Imitator“-Fangemeinde vergeblich auf einen Auftritt bei „Wetten dass…“ Das wäre das Ende der Vernunft.
Nun feiert Bob Dylan in den nächsten Tagen mal wieder seinen Geburtstag und mit ihm feiert seine ständig wachsende Fangemeinde. Er ist einer der letzten Lebenden , der vorwiegend Fans hat, die jünger sind als er selbst und einer der wenigen Rockstars, die einem das Gefühl geben, jung zu bleiben. Gratulation zum ewigen Aussitzen, zum Never-Ending.

Der Smily, die Technik und ich

Die Begegnungsstätte Internet. Treffpunkt der Menschen, derer man nicht aus dem Haus zu gehen braucht, um sie zu treffen. Auf der Straße trifft man ja sowieso niemanden, der so ist wie die da im Internet. Weltoffen, tolerant und immer für einen Spaß zu haben. Sogar in Technik-Foren wird gewitzelt – wenn es der Ernst der Lage zulässt. Unterstützend wirken dann die Smilies, die durchaus den Inhalt auf den Kopf stellen können. Z.B: „Deine Meinung interessiert mich nicht im Geringsten. Ich interessiere mich einzig und allein für mich.“ *Ironie-Smilie*. Man liest und denkt: ‚Was für ein Spinner’ und zum Schluss kommt der Smily. Puuuh, Glück gehabt. Fast hätte ich mich streiten müssen. Nein, er ist kein Spinner, sondern nur Ironiker. Um dem ganzen Wahnsinn Herr zu werden, gibt es Internet-Seiten, auf denen ganze Heerscharen von Smiles lachen, weinen, glotzen, winken und was weiß ich noch alles tun. Ein Smily kann alles, was Menschen auch können, aber er ist immer bunt und nie böse, selbst wenn er böse wirkt. Er ist wie der Spruch: „Leerer sind dohf“, an die Tafel gekritzelt, ebenso wieder abwaschbar. Nein, dem Smily ist keiner böse. Er ist nur der Gremlin der Internisten, äh Internetisten.
Immer häufiger treffe ich Menschen, die mir etwas scheinbar Lustiges oder Ironisches erzählen möchten und statt auf eine Pointe zuzusteuern einfach aufhören und so mit den Augen klicken oder ein Auge zukneifen oder eine Guillotine aus der Tasche zaubern und einen anderen köpfen. Einfach so, mitten im Gespräch.
Es gibt aber auch Menschen, die mir etwas scheinbar Lustiges oder Ironisches erzählen möchten und bekommen es nicht hin. An der Stelle könnte ich ja dann als Antwort mal mit den Augen klicken oder ein Auge zukneifen oder eine Guillotine aus der Tasche zaubern und ihn köpfen. Einfach so, mit einem Lächeln im Gesicht.

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