Die intelligente CD

Die CD ist tot, es lebe die CD. Die SACD ist für viele Verbraucher ob des hohen Preises lediglich der Versuch, so etwas Perfektes wie Raffaello (ohne Schokolade) zu verbessern (mit Schokolade). Bei diesem Vergleich kämen dann die Zuckerkranken auf den Plan, die sich zu recht beschweren, die geliebte Nascherei nicht mehr essen zu können (das ist natürlich fachlich, medizinisch und meinetwegen auch noch ernährungstechnisch durchaus diskutierbar, aber ich erkläre es mir so und verstehe es, auch wenn es falsch ist). Die SACD setzt also den Konsumenten unter Zugzwang, indem sie (die Hersteller) ihn (dem Musikfreund) unter Druck setzen.
Wer hören will muss löhnen – und zwar für eine SACD. Dunkel erinnere ich mich noch an runde goldene Aufkleber mit brauner Schrift „Digital aufgenommen“. Das gab es früher auf LPs (Wir erinnern uns. Diese großen schwarzen Scheiben, die einen nach 20 – 25 Minuten von der jeweiligen Knutschpartnerin aus dem Futonbett aufstehen lassen mussten, um sie (die LP) umzudrehen.). Aus irgendeinem Grund hat es die Elektronik-Industrie auch verpasst, gescheite Autoradios mit LP-Einschub zu bauen. Zurück zu den Aufklebern, bzw. dem Inhalt. Die LPs mit diesem Gütesiegel kosteten früher auch etwas mehr als herkömmliche LPs, so wie ein bestimmtes Waschmittel mehr und reiner wusch, als herkömmliche Waschmittel. Und nun gibt es also eine herkömmliche CD, nämlich das Ur-Produkt. Die Kinder DVD und SACD sind intelligenter und in einem Verwandtschaftsgrad. Doch wie immer gibt es auch Schafe, die äußerlich wie Familienmitglieder aussehen, aber das falsche Blut in sich haben. Heimlich, still und leise geht ein neues Format auf die Reise. In Zusammenarbeit mit Radiosendern unterwandert gerade die I-CD den deutschen Tonträgermarkt. Allerdings, und das ist neu, ohne Aufsehen, ohne Aufkleber, ohne Mehrpreis. Worum handelt es sich dabei?
Die I-CD (Intelligent Compact Disc) liefert dem CD-Player neben den normalen Daten auch entsprechende Cookies. Diese werden, wie bei einem Computer in Dateien abgelegt. Aus diesen Daten formatiert sich der CD-Player nach und nach die Hörgewohnheiten des Anwenders und liefert so nur noch die Songs, die diesen Hörgewohnheiten entsprechen. Die Zielgruppe ist hier der Otto-Normal-Verbraucher (also die konsumistische Mehrheit), der keine Ansprüche an Güte und Qualität stellt, sondern auf’m Herrenklo in einer Altstadtkneipe genauso blöd berieselt werden möchte, wie tagsüber aus dem Radio. Heilige Cashcow, das ganze System funktioniert allerdings nur mit einem speziellen CD-Player, der lt. Paranoid (vormals Panasonicyouth) erst zum kommenden Weihnachtsgeschäft auf den deutschen Markt kommen soll. Der Preis für den Luxus der Bequemlichkeit ist mit 465 EUR für das Einstiegsmodell in gewohntem schwarz lackierten und gefalzten Büchsenblech recht günstig. Die technisch gleichwertige Ausführung in Echtholz Mahagoni lackiert kostet ca. 700 EUR und als Mamorquader in unpassender Maserung kostet im Laden ca. 1199,- EUR. Geiz ist geil möchte man rufen. Ach wirklich?
Zurzeit werden also diese CDs in den Markt eingeführt (wie das immer klingt), um sie auf Kompatibilität zu testen. Wer so eine CD in den heimischen Rechner schiebt kann übrigens die Cookies „sehen“. Sie erinnern an die grafische Verdeutlichung eines Magnetfeldes.
Der I-CD-Player ist lt. Unterhaltungselektronikriese Samstag (ehemals Samsungsumsum) nur der Beginn einer Reihe von intelligentem Equipment. Als Weihnachts-Edition folgt 2005 der I-Tuner, 2006 der I-Amp und zum Schluss 2007 die I-Boxen. Bereits zu Ostern 2005 sind schon I-Phones erhältlich. Sie sollen das traditionelle Verschenken von Fahrrädern und Inlineskates ablösen.


Herber Rückschlag

Das in den letzten Monaten von Erfolgsmeldungen verwöhnte RS-Forum, mittlerweile der Standard für umfassende Informationen aller colouer, wird bei der Nominierung zur Vergabe eines Hörbuchpreises nicht berücksichtigt. Seitens der Jury verschanzte man sich hinter Sätze wie: „Das Produkt ist zu spät bei uns eingegangen.“ Daraufhin entgegnete der Hörbuch-Verlag Interfrust (hier handelt es sich um ein Konsortium, das sich aus Plattenfirmen zusammen setzt), dieses Produkt wäre zeitlos und darüber hinaus wäre es egal, wann es eine Nominierung bekommt. Am besten sofort.
Danach brach eine Diskussion los, die im Streit endete und einen heulenden Verlag zurück ließ. Die Jury ließ sich nicht beirren und sagte: „Wir sind hier nicht bei DSDS, sondern im Literaturbereich. Da haben Foren-Hörbücher nichts zu suchen. Nicht jeder Preis ist ein Jux und immerhin sind die 23000 EUR mit denen der Preis dotiert ist, ja auch kein Pappenstiel.“ – „Hohoho!“ tönte der deutsche Phonoverband. „Dann schafft eine Kategorie, in der Foren-Hörbücher zugelassen sind.“ So nahmen Vorwürfe, Stellungnahmen, Anschuldigungen und Beleidigungen ihre Lauf und schon nach kurzer Zeit entschied die Jury: „Die Plattenindustrie ist dermaßen damit beschäftigt, sich gegenseitig die Taschentücher zu reichen, dass der Blick für eine Lösung völlig verklärt ist.“ Wie so oft also in letzter Zeit kommt jedes Argument der Plattenfirmen wie ein Bumerang zurück und jeder Strohhalm entpuppt sich als Fata Morgana.
Das Forum wird es nicht weiter stören. Es wird sich weiter schreiben, hört niemals auf und führt immer gleiche Diskussionen mit wechselnden Namen fort. Den zarten Pflänzchen wird beim Kehraus der Garaus gemacht, wenn die goldene Niveau-Kralle ohne Unterschied zwischen Rot- und Unkraut alles vernichtet, was nicht gleichgeschaltet (oder gleich geschaltet) werden kann. Nächstes Jahr folgt dann die Nominierung und man trifft sich auf glänzendem Parkett mit dem Spiegel-Forum.

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