Ein Jahr

Wieder ist ein Jahr an uns vorbei und von uns gegangen. Vergangenheit, wie das Herbstlaub, das mittlerweile korrekt zusammen gekehrt auf Komposthaufen einem neuen Aggregatzustand entgegen fiebert. Auf jeden Fall ist es runter von den Bäumen.
Runter gekommen sind auch Gepflogenheiten, die formally known as Gutes Benehmen unter der Bevölkerung verbreitet waren. So zum Beispiel wird ohne Not und ohne Grund ein Land befreit, um dort Terror und Gewalt frei zu setzen. Das kenne ich von Kollegen, die etwas anfangen und sich bei Komplikationen vom Tatort entfernen, in der Hoffnung, dass eine Trümmerfrau oder ein Ordnungshüter erscheint, um den Rest aufzuräumen. Es gibt Büsche, gegen die ist kein Kraut gewachsen. Da helfen auch keine zusätzlichen Biologiestudenten oder Landschaftsgärtner.

Casting 1 Noch ist Bohlen nicht verloren

Nein, so leicht können wir ihm nicht entkommen. Es ist die beste Unterhaltung, die die meisten offensichtlich verdient haben. Er, der Grandpa des Retorten-Pop und Unterprimaner der Weltliteratur. Erfolg ist wie das Leben – nicht immer gerecht. Allerdings sehnen sich offenbar immer mehr Menschen nach Starruhm. Deshalb gibt es auch immer mehr Casting-Transporte und ich wünschte, sie würden alle nach Gorleben fahren oder nach Tötensen. Nur so, ohne Not.

Casting 2 Robert Plant und Mick Jagger

wurden einst bei Casting-Shows (früher hieß das Talentschuppen) entdeckt. Das jedenfalls ergab eine Eulenspiegel-Recherche, die Mitte des Jahres in Auftrag gegeben wurde. Dabei sollen beide Sänger so bedeutungsschwangere Lieder wie „My Heart Will Go On“ und „I Will Always Love You“ in einer frühen Rohfassung gesungen haben. Allerdings doppelt so schnell und mit halb so vielen Noten. O-Ton Jagger: „Dieses Gesinge von Mariah Careay geht mir auf den Sack.“ Eine Aussage, die zunächst nicht verwundert. Jagger weiter: „Sie macht mittlerweile so viele Schlenker in ihren Melodien, wie ich Falten im Gesicht habe. Wo ist denn da bitte schön der Song?“ Robert Plant sagt nichts.

Schau nie nach hinten, nur nach vorn.

Es gibt ja viel und vieles was es gibt, gibt es nicht, aber irgendwie doch. Schlimm sind die Jahresrückblicke an sich nicht, nur die hohe Zahl derer und die Aufteilung der Stars. Die einzige Konstante sind die Toten des Jahres. In schwarz-weiß, eingerahmt in Nostalgiepastell werden die berühmten Toten am Auge vorbeiparadiert. Und der Zuschauer steht auf verneigt sich und sagt: „Ach, das war dieses Jahr? Ich dachte der wäre schon länger tot….“ Tot ist man in der Unterhaltungsbranche schon, wenn man nicht mehr in den Schlagzeilen ist. Derzeit wartet Boulevard-Deutschland auf das Ableben von Harald Juhnke, denn es geht ihm sehr viel schlechter. Wir warten aufs Christkind.

Ich kann den Kram nicht mehr hören

Die Schote mit Quote wird mal wieder an den Ohren gepackt und auf einen Thron gestellt, an dem längst schon andere Fundament-Giesser gesägt haben. Wieviel Häme musste der gern vergessene Heinz-Rudolf Kunze über sich ergehen lassen und nicht nur er, sondern auch seine Mitstreiter. Ich glaube Peter Maffay war auch dabei. Und nun? Alles neu macht der Mey und der wünscht sich weniger angloamerikanische Meterware. Ich wünsch mir einen Nachbarn ohne Rasen. Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft. Dabei hat Herr Mey natürlich nicht seine Musik im Auge, sondern einfach die Sprache an sich. Wir müssen mehr deutsche Musik ins Radio bekommen, denn immer mehr Menschen fragen sich: Wo ist zuhause Mama? Zuhause ist da wo man sich wohl fühlt, ist der einhellige Kommentar. Und wer soll sich wohl fühlen? Diejenigen, die die Radiowelt mit Inhalt ausfüllen, also die Künstler – die deutschsprachigen Künstler. 40 %, das ist mehr, als z. B. Mariacron hat, sind kein Pappenstil. Folgendes Szenario: Die deutsche Radiolandschaft spielt ab morgen 40% Quotenmusik. Alles außer Kunze, Maffay und Mey. Böse Zungen behaupten, allein dadurch würde das Niveau gehoben, aber was wäre der nächste Schritt? Von den 40% müsste die Hälfte von Bedürftigen stammen, sprich Kunze, Maffay, Mey. Dieses Spiel könnte man endlos forttreiben, bis alle im Boot sind, die nur ansatzweise rudern können, bzw. am Ruder sitzen. Und wer soll der Steuermann sein? Die Hörer? Ein gewagtes Spiel, denn der Hörer will keine Probleme, er will keine Lösungen und schon gar nicht bei einer Weihnachtsfeier im Hintergrund „Die Schlacht am kalten Buffet“ hören.
Herr Mey verweist dann auf die Erfolge, die unser Nachbar, Herr Frankreich mit seiner Quote erzielt hat. Wie wir alle wissen, hat Herr Mey schon in frühen Jahren seine Lieder auch in französischer Sprache veröffentlicht. Jetzt gibt es schon zwei Abbitten, die man leisten möchte: Mach, das die Quote nicht kommt und wenn doch, sag den Angloamerikanern mit ihrer Meterware nicht, dass sie über den deutschsprachigen Umweg doch ins Radio kommen können.
Es ist das Jahr vier im neuen Jahrtausend, es gibt immer noch Kriege und es ist noch kein Ende von Casting-Shows in Sicht. Die Quotenregelung ist frühestens nach der Agenda 2010 dran und bis dahin sprechen sowieso alle sms. Das kann nicht mal der Verein für deutsche Sprache verhindern.

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