Die Fratze des Konsums schaut aus Kunstschnee hervor

Im Glanz der kitschigen nasswarmen oder –kalten Adventszeit strömen wieder unsägliche und unzählige Best-Of-Compilations mit einer bis dato nie da gewesenen Klangqualität oder mindestens zwei unveröffentlichten Bonustiteln in die CD-Regale. Sie wollen ver- und leider noch immer gekauft werden. Das Last-Minute-Geschenk für alle, die in den letzten Jahren erfolgreich Düfte an Mann und Frau verschenkt haben. Nein, dieses Jahr muss es mal etwas anderes sein. Praktisch ist ein CD-Geschenk auch, denn es kann sofort nach dem Auspacken benutzt werden (versuchen Sie das mal mit angelegter Reizwäsche), sofern ein CD-Player vorhanden ist. Wo man singt, da lass dich nieder, arme Leute haben keine Stereoanlage. Im Überschwang der Gefühlsduselei wird der Hörer Weihnachten und Sentimentalität und Romantik wahllos verwechseln, um nur einem zu frönen. Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Das sagt im Herbst der Gartenbaucenter-Verkäufer und im Winter die/der CD-Fachverkäufer/in. Alle kennen die ironischen, sarkastischen und fadenscheinigen Beschwerdebriefe an den Weihnachtsmann, der nichts am Konsumterror ändern kann. Die Rückkehr der zwei Türme!
In einem normal technologischen Haushalt sind Eierkocher, Waffeleisen, Handy und DVD-Player nicht mehr weg zu denken (nebenbei: Haben Sie schon mal etwas weggedacht?), weshalb sich jetzt die DVD’s wie an einer Kette aufgereiht gleich gegenüber vom Best-Of-CD-Regal befinden. Yippieh Yuppie, du hast recht, dass es eine gute Entscheidung war, damals „Zurück in die Zukunft“ nicht auf Video zu kaufen. Es ist aber eine noch bessere Entscheidung, diesen Film schon gar nicht auf DVD zu kaufen, denn er wird dadurch nicht besser. Er erstrahlt höchstens noch pathologischer. Das Geld kann man sparen für – ja, mal wieder ein Buch. Ich empfehle „31 Songs“ von Nick Hornby (der, nach eigener Fremdeinschätzung, so erfrischend anders war und sich und andere neuerdings wiederholt). Interessant nur für Musikfans, denen es reicht Radio zu hören, um zwischendurch intensiv von einem Song berührt zu werden. Zu dem Buch gibt es noch einen Soundtrack, der anhand von Hörbeispielen das Gelesene verdeutlichen soll, denn: Die Songs aus dem Buch sind nicht ohne weiteres von Radiokünstlern und die Titel selbst nicht auf Best-Of-Compilations vertreten. So ein Schelm. Völlig uninteressant ist das Buch übrigens für Menschen, denen eine Best-Of der Münchner Freiheit zur Offenbarung reicht. Fröhliche Vorweihnachtszeit.


Die Stimme des Herrn

Wie bereits berichtet erscheint das RS-Forum als Buch. Nun hat der deutsche Rolling Stone in Zusammenarbeit mit dem Mutterschiff aus Amerika ein Projekt ins Auge gefasst, dass alles in den Schatten stellt, was mit Hörbuch, Hörspiel oder Hörgerät noch vor kurzem in der Sonne stand. Das Buch soll als Hörbuch erscheinen und nicht nur das. Es wurden von den deutschen Redakteuren Sprechproben genommen – mit einem leider etwas kläglichen Ergebnis. Herr Wolfgang Doebeling taucht im Gesamtergebnis der Sprachgewandtheit im Mittelfeld auf, was umso düsterer erscheint, wenn man ihn jemals als Moderator in seiner Roots-Sendung sprechen gehört hat. Der Test erstreckte sich ausschließlich über phonetische Übungen, nicht Inhalte. Ein Redakteur schreibt eben und spricht nicht. Schon gar nicht Sätze, die nicht von ihm selbst sind. So tagte der Redaktionsrat und man befand: Nehmen wir doch die Originale. Die einzelnen Threads (Thema im Thema im Thema in einem Forum, anm. die Red.) werden von den jeweiligen Künstlern gesprochen (original in deutsch). Die mittlerweile morbiden Künstler werden durch bekannte Synchronstimmen ersetzt. Hier spricht Christian Brückner z. B. gleich die Threads von Johnny Cash, Warren Zevon, Hank Williams und Garth Brooks. Einige Künstler haben bereits die Anfrage abgelehnt, da sie sich außer Stande sehen, hier der Sache gütlich gegenüber zu stehen. So wird Yoko Ono nicht den John Lennon-Thread sprechen, sondern ließ über ihr Managment eine Urheberrechtsklage an den RS los. Doch auch eine nationale Größe wie Peter Maffay ließ verlauten, über diesem Kleingeist zu stehen und außerdem wäre er mitten in der Produktion von Tabaluga. Bleiben Sie dran!

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