Das Forum als Buch, Untertitel: Krankheit als Weg

In der leidgeplagten Selbstdarstellungs-Virtuel-Welt gibt es wieder mal einen neuen Stern am Himmel, der früher oder später mit Füßen auf dem Walk Of Fame getreten werden könnte. Harry (Rowohlt) und Alex (Springer) haben es getan. Auf der diesjährigen Internationalen Buchmesse in Frankfurt wurde das erste Buch des Rolling Stone Forum vorgestellt.
Im Gegensatz zur monatlich erscheinenden Zeitschrift, bei der Bleistiftenden kauende, auch im Sommer knarzende Kunstlederjacken tragende Journalisten ihr Scherflein zur Papierauf- und Wiederverwertung beitragen, schreiben hier Leser über Musik und ca. 4000 andere interessante Themen und das ist nicht übertrieben. Selbstmitleid, Love, Peace and Happiness, jede Gefühlslage bekommt ihren eigenen Bereich und auch feinste Nuancen werden als Unterthema behandelt. Wer schon immer Lebenshilfe gern quer gelesen hat, sollte sich dieses Buch zulegen. Querer als hier geht es nirgends zu. Der rote Faden ist die konsequente Beibehaltung des Chaos.
Ein großer Teil des Buches wird darauf verwendet im Anhang jeden der ca. 1000 Autoren mit Bild und den üblichen Top-Five-Listen (Album, Single, Film, Buch, Job, Todesart, Gleichstellungsbereich – man beachte die Reihenfolge) vorzustellen. Einige Themen sind inhaltlich abgegrenzt. So schreibt ein gewisser Mitch Ryder missverständlich über Potenzprobleme und beginnt seinen Vortrag stets mit „Mal wieder hoch holen“. Das dies auch gleichzeitig die einzige Hilfe und der gesamte Inhalt ist, bleibt dem vertieft lesenden Neugierer verborgen, da dieser Beitrag sich wie Efeu durch das gesamte Buch rankt und nicht, wie in der Online-Suchfunktion, gefiltert werden kann. Das zeichnet das Buch als Buch aus. Egal, wo und wann das Buch gelesen wird, am Ende hat man das Gefühl, hier soeben 1000 neue nette Menschen kennen gelernt zu haben.

Black cars look better in the streets

“Der Bandermann kommt!!!!” ruft allabendlich Herbert Knebel dem Opa Pascherniak zu, wenn der in der Siedlung allseits bekannte Rennfahrer Peter Bandermann mit seinem Golf ‚Bonn Schoffi’ die Straßen unsicher macht und ungeachtet einiger Vorschriften seinen unfreiwilligen Teil zur Rentenmisere beiträgt. Doch jeden Abend geht es gut. Herbert hat die Sache im Griff. Besser jedenfalls als die Vorstandssprecher von Ford.
Während VW mit der Musik-Foundation etwas für den musikalischen Nachwuchs tun und bei Erfolg Sondermodelle wie „Golf Rolling Stone“, „Golf Pink Floyd“, „Golf Genesis“ oder eben den bereits angesprochenen „Golf Bon Jovi“ in Aussicht stellen, hat der Konkurrent aus Köln nun auf der IAA in Frankfurt eine Coup gelandet, mit dem niemand rechen wollte.
Vorgestellt wurde in einem Hinterzimmer (die Verantwortlichen waren sich selbst nicht sicher) der „Ford Ka Zevon“ und der „Ford Fiesta Cash“. Nach jahrelangem Rechtsstreit wurden der Ford AG am Anfang des Jahres die Verwertungsrechte zugesprochen.
Die Vorstandssprecher traten geschlossen und betreten vor die Mikrofone und lasen unter Zuhilfenahme einiger Zwiebelknollen die Presseerklärung einstimmig vor. Aus der geht hervor, dass man die Entwicklung nicht kommen sah und es beide Modelle zum Anfang nächsten Jahres auf dem Markt gäbe. Zunächst jedoch, so die Einschränkung, ausschließlich in schwarz und nur bei Vertragshändlern. Bei soviel Voraussicht und Pietät ist es nur eine Frage von Jahren, bis es den „Ford Focus Pascherniak“ gibt. Bis dahin heißt es: „Fahrt mehr Golf Country.“

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