GEMA weitet Gebührenpalette aus

Die GEMA ist so etwas ähnliches wie die GEZ-Stelle in Köln. Der Unterschied besteht in der Verwendung der Mittel: Die GEZ versorgt die öffentlich-rechtlichen Sender mit Startkapital, während die GEMA eine Art Wärmestube für Künstler ist. Ein weiterer Unterschied ist das Einfordern der Beiträge. Die GEZ kassiert von jedem Haushalt mit Fernseher und/oder Radio, zusätzlich noch von Besitzern mit Autoradios.
Die GEMA kassiert u.a. grundsätzlich von allen öffentlichen Musik-Aufführungen. Kneipen, Supermärkte, CD-Läden sowie Open-Airs, Schützenfeste, Kirmes, Stadtfeste u.v.m. zählen zu den Geldgebern. Das ist viel Verwaltungsarbeit und deshalb gibt es viele Pauschalbeiträge, um die Sache zu vereinfachen. Nun ist die Definition der Zahlungspflichtigen ungefähr so übersichtlich wie das Tarifsystem der Deutschen Bahn, was noch mehr Verwaltungsarbeit verursacht und die kostet Geld. Geld, das den Künstlern fehlt. Eine Vereinigung von Musikschaffenden hat jetzt ein Gremium gebildet und setzt die GEMA unter Druck. Schon längst kann sich ein Sänger mit einem Top-Ten-Hit allein von den Tantiemen keinen Ferrari mehr leisten. Wie Hohn klingt der Satz: „Jetzt sitz ich hier, bin etabliert und schreib auf teurem Papier...“ von Westernhagen. Anno 1978 mochte das noch stimmen, heutzutage werden Songs nur noch auf Rückseiten einstiger hoch dotierter Verträge geschrieben. Verträge, die zu Schmierpapier verkommen sind, vergilbt, veraltet, verwaltet.
Die GEMA reagierte bereits vor 40 Jahren bei Einführung der Kompaktkassette und kassierte von jedem verkauften Stück einen kleinen teil, quasi als Nutzungspauschale. Als die Leer-CD ihren Siegeszug begann erinnerte man sich und verlangte auch von diesem Medium einen Betrag als Wiedergutmachung für den drohenden Umsatzverlust der Original-Tonträger. Jetzt flachsimpelt man seitens der GEMA über die Möglichkeit, bei jedem CD- und DVD-Brenner einen Pauschbetrag mit zu kassieren. „Das“, so ein selbstverwalteter Verwaltungsangestellter, „ist doch auch logisch nachvollziehbar. Außerdem müssen wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit schaffen, gerecht entlohnt zu werden.“
Nun ist die GEMA seit über 100 Jahren Bestandteil des täglichen Musiklebens. Kaum eine Kassette, eine LP oder CD wird veröffentlicht, auf der nicht die vier Buchstaben stehen, auf denen die vielen Fach-Verwalter mit ihren vier Buchstaben sitzen. Was die GEMA sich aber jetzt ausgedacht hat lässt vermuten, dass GEMA demnächst durch LMAA ersetzt wird.
Man möchte bis zum Jahr 2008 auch von pfeifenden und singenden Zeitgenossen Beiträge kassieren. Wer sich also gut gelaunt vorm Spiegel Hattric ins Gesicht wirft und dabei pfeift, wird zur Kasse gebeten. Ebenso, wer im Auto zu seiner Lieblings-CD mitsingt, soll auch dafür bezahlen. Ein Demonstrationsforum in Frankfurt zeigte den schmalen Grat auf, der hier beschritten wird.. Auf den Einwand `jeder sei ein Star und würde unter diesen Voraussetzungen doch nur an sich selbst zahlen, wobei man die Idee ja auch wieder verwerfen könnte` entgegnete der GEMA-Sprecher: „Sicher, aber nicht jeder Star ist angemeldet!“ Eine Anmeldung kostet derzeit 51,13€. Es darf abgewogen werden, ob man sich anmeldet oder nicht. Freundlich zahlen muss man in jedem Fall.
Gleichzeitig nahmen technische Vertreter der GEMA Kontakt zu Mikrofon-Herstellern auf, um die privaten Sänger später abhören und kontrollieren zu können. Formschön sollen die Mikrofone in Armaturenbretter, Duschkabinen und Badewannen eingelassen werden, um den Fahrspaß und den Waschzwang nicht zu trüben.
Ein Abteilungsleiter der GEMA-Wort meldete sich zu demselben und verlangte grundsätzlich von allen Bürgern einen Pauschbetrag, denn jeder redet und benutzt durchaus Worte, die erst durch die Comedy/Kabarett-Künstler bekannt gemacht worden wären. In dem Moment versagte allerdings das Mikrofon und der Redner wurde unter Protest aus dem Saal geführt. Die Tauben verstummten und schüttelten die Köpfe.

Heilungsverlauf mit Musik

Wer als Patient oder Besucher mal in größeren Krankenhäusern verweilte, wird sich vielleicht an Wegweiser mit dem Aufdruck „Nuklear-Medizin“ erinnern. Vor meinem geistigen Auge erscheinen Flugzeugträger, Atom-U- Boote, Kernkraftwerke, Tschernobyl. ‚Aha, hier werden also Strahlenopfer behandelt’ denke ich und neugierig wie Peter Lustig erforsche ich die Gänge. Auf einem Flur warten Patienten mit Kopfhörern und tragbaren CD-Playern. Hierbei handelt es sich um ein neuartiges Forschungsprojekt der Gruppe „Keimfrei heilen“. Erforscht wird der Verlauf des Heilungsprozesses unter Musikeinfluss. In einer Überdruckkammer werden den Patienten verschiedene CD’s vorgespielt und ein umfunktioniertes EKG-Gerät zeichnet die körpereigenen Reaktionen auf. Dazu wird der Patient verkabelt und Sensoren am Wundherd messen die Konzentration der Plasmaanteile im Blut. Die ersten Ergebnisse lassen Professoren und Patienten aufhorchen. Bislang wurde nur in der Verhaltensforschung die Wirkung von Musik betrachtet. Das Ergebnis ist eher schwammig. In der Projektgruppe „Keimfrei heilen“ versuchen Ärzte ihre Ergebnisse transparenter zu machen. Bislang wurde festgestellt, dass Alben von Marvin Gaye, Madonna oder den Rolling Stones eher auf Komplikationen beim Heilungsverlauf schließen lassen, als beispielsweise Alben von Kraftwerk, Alan Parsons Project oder ELO. Die Mediziner sind sich einig. So bald wie möglich muss eine rote Liste her, die alle der Gesundheit nicht zuträglichen CD’s aufführt.
Ein Patient musste notärztlich versorgt werden, nachdem er „Let It Bleed“ von den Rolling Stones gehört hatte und seine fast verheilte Blindarmnarbe ohne äußere Einwirkung von selbst wieder aufging. Ein anderer Patient konnte nach einer Meniskus-Operation und anschließendem Hören von David Hasselhof Alben das Krankenhaus bereits nach zehn Tagen ohne Gehhilfen verlassen. Die Krankenkassen sind überaus interessiert an den Forschungsergebnissen, denn die lassen im Zuge der Gesundheitsreform noch ganz andere Möglichkeiten zu.

Der stumme Protest

Neulich in der Fußgängerzone. Die Hitze trieb komische Früchte und wer nicht völlig matschig war und seinen Wasserstand unter Kontrolle hatte, konnte wieder der T-Shirt-Kultur frönen und vor allem – zuschauen.
Besonders lustig waren die dunkelgrünen T-Shirts mit dem gelben oder weißen Polizei-Aufdruck. Aha, eine autoritäre Person, so der erste Eindruck. Die weißen Schweißränder im Achselbereich sprachen allerdings eine andere Sprache.
Stimmungen und Befindlichkeiten lassen sich auch hervorragend im Brustbereich tragen und ablesen. Da stehen Dinge wie www.ficken.de’ Der Träger des T-Shirts sieht so aus, als meinte er es ernst. Ich wechsele die Straßenseite und gehe ein Eis essen.
Slogan-T-Shirts wie ȁier formte diesen wunderschönen Körper“ sind nach wie vor mehr als eine Modeerscheinung. Ein T-Shirt so alt wie das Reinheitsgebot und in Anbetracht des Trägers auch voll vertretbar. Aber was für Bier gilt und wichtig ist, kann für T-Shirts nicht zutreffen. Dennoch gab es vor zehn Jahren mit der N8chtschicht- Kollektion „Ich hab so’n Hals“, „Ich könnt’ auch langsam gehen lassen“ und „Ich war auch als Kind schon scheiße“ durchaus intelligente tragbare Unterhaltung.
Mittlerweile hat die Chat-Zapp-Gesellschaft keine Zeit mehr, diese langen Sätze zu lesen, um sie dann zu verstehen. Die Industrie reagiert spontan auf solche Entwicklungen und versucht mit einfachen Wörtern komplexe Zusammenhänge auszudrücken. „Frühstückszerealie“ trägt die junge Frau, deren Freundin sich einfach Zicke“ auf die Fahnen geschrieben hat. Da sehe ich plötzlich jemanden, der von Grönemeyer das T-Shirt „Mensch“ trägt. Sehr geistreich ist auch „Plakatieren verboten“. Warum denn nicht?

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