Und Sie! Sie kommen mal am besten mit!

Einwortsätze, Einbahnstraßensätze und Einwegsätze oder ganze Artikel, ausformulierte Stellungnahmen und 200 Wörter für eine Aussage ohne eigene Meinung. Es wird viel geschrieben und es dient der Unterhaltung. Jetzt hat der Rolling Stone in seiner Eigenschaft als Musikzeitschrift reagiert und verlost ein Volontariat. Wie ernüchternd muss die Erkenntnis sein, einen Tag eines Redakteurs zu erleben, der um sein Leben schreiben muss. Dabei darf er sich nicht wiederholen und - muss wie ein Hase – verbale Haken schlagen, immer am Puls der Zeit und immer auf den letzten Drücker. Nichts ist so wie es scheint, keiner zählt die verworfenen Manuskripte oder voll geheulten Kopfkissen, wegen drohender Deadline ohne Headline.

In diesen Tagen, es ist Sommer und die Seele baumelt, verlassen die blassen Auftragsschreiber ihren z. T. von den Lesern erschaffenen Elfenbeinturm und wagen sich an die Öffentlichkeit. Im Englischen Garten von München werden ganze Bierzeltgarnituren von Redakteuren und Lesern belagert. Der Rolling Stone lädt zum Sommerfest mit Verlosung. Eingeladen sind die Schreiberlinge des Forums, die den Arbeitsnachweis der Redaktion tagtäglich auf den Prüfstand stellen. Das ist sicherlich nicht böse gemeint, doch kontert der Rolling Stone eben mit dieser Offensive. Auge in Auge, Brust oder Keule, Sekt oder Selters. Es gibt Bier in Liter-Rationen und es kursiert der Kalauer der „A Liter Ration“. Womit der Brückenschlag zwischen Schreiben und Trinken gelingt. Glück gehabt. Freundlicherweise haben die Berufs-Musikhörer Fremdwörterlexika dabei, die am Ende des Tages zerfleddert und verlassen auf einem der Tische liegen werden. Dafür liegt die Gemeinde unter demselben und hört mit Hightech-Toys die Soundfiles, um die es geht. New Noises Konzentrat von der Zentrale, göttlich. Das Verlagshaus wird nicht angesteuert, weil angesäuert, der eine oder andere stehen bleibt und lieber die U-Bahn zum Stachus nimmt, warum auch immer.

Am Ende des Tages steht noch ein Konzert im Münchner Atomic Cafe an. Leider können das nicht mehr viele wahrnehmen, da die Taxis und U-Bahnen keine Liegendtransporte anbieten. So oder so war es jedenfalls ein voller Erfolg für alle Beteiligten. Die Redakteure konnten den Lesern direkt vor Ort mit dem Rhetorik-Knüppel die Flausen austreiben und sie auf das reduzieren, was sie eigentlich sind: Konsumenten eines Musikmagazins. Wer gewonnen hat? Ist das noch wichtig?

König der Festivals

Die Openair Saison neigt sich dem Ende zu und so langsam zerfleddern die Bändchen (gewebte Eintrittskarte mit Werbung und Alu-Verschluss) am Handgelenk. Zeit, die alten Zöpfe abzuschneiden und zu archivieren. Blasse Ringe zieren den Arm. In einem Dokument wurde Eulenspiegel nun eine Vermutung zugespielt die von höchster Brisanz sein dürfte. Was gemeinhin als Freundschaftsbändchen bezeichnet wurde ist in Wirklichkeit der Besuchsnachweis eines Open-Air-Festivals. Unangefochtener König ist in dieser Beziehung Wolfgang Petry, im Folgenden „Wolfgang Excess All Areas Petry“ genannt. Dieser hat in einer Versteigerung nicht, wie vermutet seinen Ballast an Freundschaftsbändchen versteigert, sondern seine Festival-Vergangenheit verkauft. Darin enthalten waren natürlich auch die Artist-Bändchen, VIP-Bändchen und die Notruf-Adresse für einen Totalausfall seinerseits. Nun wartet man gespannt auf eine Gegendarstellung und auf den Kommentar von Chef-König Jürgen Drews.

Dem Verfall die Stirn bieten

Es war wieder mal ein Holzweg, der in Annahme von Gut-Sein beschritten wurde. Es gibt in der Zwischennetz-Welt keine Geheimnisse mehr. Der Hintergrund: Die Krombacher Brauerei kaufte für jeden verkauften Kasten Bier einen Quadratmeter Regenwald. Dieser Zusammenhang diente schon bei Einführung der Marketing-Aktion zu schlechten oder besseren Witzen. Ab heute steht die Kampagne in einem fahlen Licht, das entweder der hellste Stern werden könnte oder in ewige Dunkelheit verfällt. So wird jetzt berichtet, dass die Brauerei Krombacher einen Riesencoup in Sachen Täuschung gelandet hat. Bis zum Aktionsende am 31.07.03 wurden bislang 18.427.327 qm Regenwald „gekauft“. Das sind ca. 2/9 der Grundfläche von Österreich. Jährlich wird allerdings die zweifache Fläche Österreichs in den Regenwäldern abgeholzt. Da erscheint es zunächst deprimierend, wie wenig Bier zur Rettung der Wälder getrunken wurde.

Der Schock für WWF und anderen Partnern der Krombacher-Rettungsaktion kommt aber noch. Durch die drohende Verknappung von Rohöl und damit einhergehenden Preissteigerungen im Kunststoffbereich greift Krombacher jetzt zur biologischen Wunderwaffe, um mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. In den Labors werden neben Reinheitsgeboten und Aromastoffen auch Techniken entwickelt, die in Zukunft CD-Rohlinge aus Holz lauffähig machen sollen. Dabei wird aus Hartholz ein Träger benötigt, der anschließend mit einer Silberfolie bedampft wird. Das spart teuren Kunststoff und das Holz steht durch die Rettungsaktion auch bereit. Während Umweltschützer und Biertrinker bereits den Kopf in den Wüstensand stecken, jubiliert die Unterhaltungsindustrie. Sonie (jap. Elektronikriese) kommt bereits im kommenden Frühjahr mit einem SACD-Player für Holz-CD’s auf den Markt. Aus China erfährt man auf Anfrage, dass an einem Search-Wood-And-Recycle-Same-Deluxe-Player (kurz SARS-Player) gearbeitet wird. Inwieweit die neuen Player recycelbar sind und was die Hausratversicherung dazu sagt bleibt noch offen.

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